Der Hundertste der IUSY - die Sozialistische Jugendinternationale lebt

”Hoch die internationale Solidarität” riefen die Gäste im Saal des Friedrichstadtpalastes, nachdem der letzte Vers der Internationalen erklungen war. Die Genossinnen und Genossen auf der Bühne schwangen roten Fahnen und reckten die linke Faust in die Luft. Ein Festakt ging zu Ende, der Kampf geht aber weiter.
Bildergalerie



     


100 Jahre IUSY sind ein Jahrhundert Kampf für Gleichheit und Frieden, gegen Krieg, Ausbeutung und Kolonialismus. 1907 hatten 20 Jugendvertreter aus 13 Ländern hatten die Sozialistische Jugendinternationale in Stuttgart gegründet. Heute ist die IUSY mit über 140 Mitgliederorganisationen aus mehr als 100 Staaten die größte politische Jugendorganisation der Welt. Ihren 100. Geburtstag feierte die IUSY mit einem Festakt im Friedrichstadtpalast. Rund 2000 Genossinnen und Genossen waren von allen Kontinenten nach Berlin gekommen, um mit früheren IUSY-Streitern das Jubiläum würdig zu begehen. Unter den IUSY-Veteranen befanden sich unter anderem der österreichische Bundeskanzler, Alfred Gusenbauer, die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heide Wieczorek-Zeul, und der erste IUSY-Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg, Bob Molenaar, Die Jusos und die Sozialistische Jugend Deutschlands - die Falken hatten die Veranstaltung organisiert.

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stand nicht nur die Vergangenheit. Die IUSY-Mitglieder vergewisserten sich auch der Zukunft der Organisation: Die Redner bekundeten mehrmals, dass ihre Aufgabe ist er erst dann erfüllt sei, wenn es keinen Krieg, Hunger und keine Epidemien mehr gibt sowie die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen, einschließlich der Frau, sicher gestellt ist. Bundeskanzler Gusenbauer und IUSY-Präsident Fikile Mbalula wandten sich ihren Beiträgen gegen die These, dass mit dem Fall des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa ”das Ende der Geschichte” erreicht sei und nur noch Markt, Wettbewerb und liberale Demokratie als leitenden Prinzipien gelten würden. Im Gegenteil: Beeindruckend bewiesen Gusenbauer und Mbalula beim Festakt, dass der demokratische Sozialismus als politische Kraft nötiger denn je ist: Die Globalisierung in Form von grenzenloser Freiheit des Kapitals führe zu einer ungleichen Verteilung von Reichtum in der Welt. Die IUSY müsse sich dafür einsetzen, internationalen Finanzmärkten und global agierenden Unternehmen feste Regeln zu setzen. Nur so könne Ausbeutung verhindert und ein Auskommen der Menschen in Würde gewährleistet werden.

  

Gusenbauer erinnerte als ehemaliger IUSY-Vizepräsident an den Beitrag der internationalen Organisation der sozialdemokratischen und sozialistischen Jugendverbände am Fall der Militärdiktaturen in Spanien, Portugal und Griechenland. ”Mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems hat sich gezeigt, was wir immer gesagt haben: Sozialismus ist nur in Verbindung mit Demokratie möglich.”

Die erste Frau an der Spitze des Juso-Bundesverbands, die heutige Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heide Wieczorek-Zeul, erinnerte sich gerne an ihre IUSY-Zeit. Kontinuität war ihr wichtig: Als Juso-Bundesvorsitzende habe sie versucht, die internationale Themen voranzubringen. ”Diesen Zielen bin auch als Ministerin treu geblieben.” Kritik übte Heide Wieczorek-Zeul an der zunehmenden Dominanz des Militärischen bei politischen Entscheidungen und in Debatten.. ”Es wird immer noch viel zu viel für Rüstung ausgegeben”, sagte die Bundesministerin. Nach einer Studie eines schwedischen Forschungsinstituts werden weltweit ein Vielfaches an dem in Waffen investiert, was für eine Beseitigung des Mangels an Wasser und Nahrung rund um den Globus nötig wäre. Verbindungen aus ihrer IUSY-Zeit helfen ihr nach eigenem Bekunden heute noch, international Kontakte knüpfen. Mit ihren Möglichkeiten als weltweite Organisation könne die IUSY daran mitwirken, die Millenium-Ziele zu erreichen, meinte IUSY-Veteran und Direktor des UN-Entwicklungsprogramms, Kemal Dervis.

  

SPD-Bundesvorsitzender Kurt Beck nannte die IUSY ein Fundbecken für politische Talente, die später sozialdemokratische Ideen an den wichtigen Stellen umsetzen und mit Leben erfüllen. Er hob am Beispiel des Nahost-Konflikts hervor, zu welchen Leistungen IUSY fähig sei. Als einzige Jugendorganisation mit einer breiten internationalen Basis sei es ihr lange vor dem Osloer Abkommen 1993 gelungen, Palästinenser und Israelis an einen Tisch zu bringen und zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Die wachsenden Tendenzen zur atomaren Aufrüstung wertete Beck als Zeichen, dass ein verstärktes Engagement für eine Friedenspolitik notwendig ist. Er sprach der internationalen Solidarität eine große Bedeutung zu im Kampf für eine gerechte Weltwirtschaftsordnung und für Frieden.

Im Rückblick auf die Geschichte der Jahrzehnte seit der Wiedergründung 1946 wurde der Einsatz der IUSY für Frieden und Gleichheit, gegen Krieg und Diktatur deutlich. Der erste IUSY-Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg, Bob Molenaar, berichtete von der Nachkriegskonferenz in Paris, bei der unter anderem das Verhältnis zu den kommunistisch orientierten Jugendverbänden heftige Kontroversen auslöste. Auch sei damals noch nicht klar gewesen, wie sich Deutschland entwickelt. Im Lauf der Jahre wurden die deutschen Mitgliedsorganisationen Jusos und Falken zu einer der tragenden Säulen der IUSY.

IUSY-Präsident Mbalula beschwor am Ende noch einmal die Ziele des demokratischen Sozialismus, die unvergänglich seien und ewig Bestand hätten. Er forderte die Jugendverbände auf, in ihren Mutterparteien Widerstand zu leisten, wenn deren Repräsentanten sozialdemokratische Werte preisgeben wollen.

Bildergalerie