Geschichte der IUSY

  

Geschichte ist ein lebendiger Bestandteil der Identität wie auch des täglichen Lebens einer jeden Organisation. Darum sollten wir den 100. Geburtstag der IUSY zum Anlass nehmen, uns das erste Jahrhundert unseres Bestehens zu vergegenwärtigen und uns die Anfänge sowie die Entwicklung unserer Bewegung in Erinnerung zu rufen.

Ein überschaubarer Kreis von 20 Jugendvertretern aus 13 Ländern war es, der vom 24. bis 26. August 1907 in Stuttgart zusammenkam, um dort die "Sozialistische Jugendinternationale" (SJI) ins Leben zu rufen. Die Delegierten einigten sich darauf, drei Themen in den Mittelpunkt ihrer künftigen Arbeit zu rücken. Aus der heraufziehenden Kriegsgefahr ergab sich der Kampf gegen Militarismus und Krieg als erstes zentrales Thema. Die damals brennende soziale Frage machte den Einsatz für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen junger Arbeiter zum zweiten Hauptthema. Außerdem wurde der sozialistischen Erziehungsarbeit Priorität eingeräumt.
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Die Jugendinternationale zu Zeiten der Weltkriege

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte die SJI ihren Kampf gegen den Militarismus, den sie noch bis ins Frühjahr 1914 hinein fortgesetzt hatte, vorerst verloren. Während viele sozialistische Parteien Europas vor der Kriegsbegeisterung in ihren Ländern kapituliert hatten und die Kriegsteilnahme offen zu unterstützen begannen, setzte die Jugendinternationale, obgleich ihr internationales Büro in Wien geschlossen worden war, ihren Einsatz für den Frieden fort. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs verfestigte sich die Spaltung der Sozialistischen Jugendinternationale mit der Gründung der Kommunistischen Jugendinternationale (KJI) im Jahre 1919. Die KJI mit Sitz in Moskau orientierte sich stark an der Komintern und stand im Gegensatz zur sozialistischen internationalen Jugendbewegung (SJI) die 1921 gegründet worden war.

Positiv lässt sich für die Zwischenkriegszeit verzeichnen, dass der Gedanke des Internationalismus innerhalb der SJI immer stärker zu einem wahren Begegnungsmoment heranreifen konnte. Sozialistische Jugendtreffen gaben den Jugendlichen bereits damals die Möglichkeit, sich über die Grenzen hinweg mit ihresgleichen über die Themen der Zeit auszutauschen, wobei folgende Forderung zentral war: "Nie wieder Krieg!"

Die schmerzliche Begegnung mit dem Faschismus in Europa machte die Jugendinternationale bereits im Jahre 1925, als ihre italienische Mitgliedsorganisation seitens der Faschisten unter Benito Mussolini gezwungen wurde, ihre Arbeit ruhen zu lassen. Acht Jahre später zwang die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, einem der Kernländer der Jugendbewegung, die SJI dazu, ihr Berliner Büro nach Prag auszulagern. Die SJI sah sich nunmehr dazu gezwungen, sich mit der nationalsozialistischen Ideologie auseinanderzusetzen, doch unterschätzte sie dabei - wie auch die KJI - die Durchsetzungskraft und das zerstörerische Potenzial dieser Bewegung. Der Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen läutete am 1. September 1939 schließlich das letzte Kapitel der SJI ein.
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Der Neubeginn zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Wenngleich die Aktivitäten der SJI während der Kriegsjahre weitgehend ruhen mussten, so war es den Nationalsozialisten keineswegs geglückt, das Gedankengut der Bewegung auszulöschen. Die auch während des Krieges gehegte Hoffnung auf eine Neugründung der sollte nicht unerfüllt bleiben: Mit der ersten Nachkriegskonferenz junger Sozialistinnen und Sozialisten am 30. September 1946 in Paris war die "International Union of Socialist Youth" (IUSY) geboren. Jedoch schlug sich die in den Nachkriegsjahren entstehende Konfrontation der Blöcke und der Ideologien auch auf die Organisation der sozialistischen Jugend der Welt nieder und bedingte deren neuerliche Spaltung. Der kommunistisch beeinflusste "Weltbund demokratischer Jugend" (WBDJ) stand in deutlicher Konkurrenz zur IUSY.
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Ein dunkles Kapitel der IUSY: Die CIA-Affäre

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Internationalismus als Programm

Die IUSY vermochte es in der Nachkriegszeit den Eurozentrismus ihrer Vorgängerorganisation zumindest teilweise zu überwinden und auf allen Kontinenten Fuß zu fassen. Schon zu Beginn der 1950er Jahre umfasste die IUSY 73 Mitgliedsorganisationen aus 50 Ländern und fünf Erdteilen. Die globale Ausrichtung unterstrich die internationale politische Jugendorganisation etwa im Jahre 1952 in einer Broschüre, in der es heißt: "Die IUSY ist ein Bund sozialistischer Bewegungen aller Kontinente, die sich zusammen geschlossen haben, [...] um jedem Land der Erde echte politische, soziale und wirtschaftliche Demokratie zu bringen." In diesem Sinne erhob die IUSY auch die Forderung nach der Unabhängigkeit des gesamten afrikanischen Kontinents. Auch wandte sich die Jugendinternationale insbesondere Anfang der 1970er Jahre in Richtung Lateinamerikas, um ein Zeichen gegen die sich in der Region etablierenden Militärdiktaturen zu setzen. Praktisch gestalteten die Jungsozialistinnen und Jungsozialisten ihren Kampf für Demokratie und gegen Imperialismus mit groß angelegten Solidaritätskampagnen.
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Die IUSY und die Herausforderungen unserer Zeit

Die Entkolonialisierungskriege sind vorüber und der Ost-West-Konflikt ist überwunden, doch auch heute sind einige Regionen der Welt gezeichnet von Gewalt, Kriegsgefahr und akuten kriegerischen Auseinandersetzungen - die überragende Relevanz des in der Frühphase der Jugendinternationale geprägten Mottos "Krieg dem Kriege" besteht somit fort. Auch trägt das Streben nach sozialer Gerechtigkeit angesichts des durch kapitalistisch motiviertes Profitstreben bestimmten Globalisierungsprozesses in der heutigen Zeit eine Bedeutung, die jener des Kampfes für den sozialen Ausgleich in den frühen Jahren der SJI nicht nachsteht.

Die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen der heutigen Welt zeigen deutlich, dass die Jubiläumsfeier in Berlin anlässlich des 100. Geburtstags der IUSY nicht nur dazu anhalten soll, sich die vergangenen 100 Jahre des Kampfes der sozialistischen Jugend zu vergegenwärtigen, sondern auch Ausgangspunkt dafür sein muss, in ein neues Jahrhundert des Kampfes für Frieden, Demokratie, soziale Gerechtigkeit und würdige Arbeitsverhältnisse sowie gegen jede Form der Diskriminierung einzutreten. Es geht um den demokratischen Sozialismus im 21. Jahrhundert.
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Zugehörige Dateien:
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